"Mit kleinen Gesten erschaffen wir eine bessere Zukunft"

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Montag, 26. April 2010

Die Gleichzeitigkeit von Gegensätzen

Seit längerem beschäftigen mich hier die Gegensätze beziehungsweise „die Gleichzeitigkeit von Gegensätzen“ wie es ein Freund in einer Email so schön formuliert hat…
Wenn ich durch die erst 35 Jahre junge Stadt radle (ja, seit einiger Zeit gehöre ich also auch zu den wahnsinnigen Radelfahrern, ich kann es einfach nicht lassen…) sehe ich sie an jeder Ecke. Dort reiten 4 Handwerker auf Esel an mir vorbei und in der nächsten Sekunde schneidet ein Audi TT meinen Weg… Hier „hausen“ die einen in ärmsten Verhältnissen, haben kein fließend Wasser, wohnen auf engsten Raum dort stehen die geldigen Häuser, von Elektrozäunen umringt. Fast jede besser betuchte Familie hat eine Köchin, andere Kinder wissen nicht was sie essen sollen wenn die Schule - wie so oft hier - ausfällt oder die Lehrer streiken, denn dort bekommen sie wenigstens ein kleines Frühstück bestehend aus einem einfachen weißen Brötchen und einer Schokoladenmilch. Ich bin auf einem Kindergeburtstag eingeladen wo eine 5 jährige im Prinzessin Kostüm ihre unzähligen Geschenke entgegennimmt und die Eltern alles dafür machen, dass ihre Kleine einen tollen Geburtstag hat während im Waisenhaus Kinder leben, die schon 6 Jahre oder mehr hier sind obwohl die Eltern auch in der Stadt wohnen aber einfach nichts von ihnen wissen möchten. Eigentlich ist das Heim nur für Kinder bis 12 Jahre. Da es aber in ganz Sinop keine Einrichtung gibt, die Kinder über 12 aufnimmt sind auch ältere hier. Wo sollen sie sonst hin?? Das nächste Heim für Jugendliche ist in Cuiabá (ca. 500km). Weil die ganze Region noch so jung ist (vor 35 Jahren war hier noch alles tiefster Regenwald) fehlt es noch an einigen sinnvollen Einrichtungen. Es gibt noch immer die Schönheit der Natur zu finden, mit ihrer Vielfalt an Tieren, das grüne Grün des Regenwaldes und das Glitzern der Sterne bei tiefschwarzer Nacht und dann - gleich neben dem Orfanato - eines der derzeit noch ca. 100 Holzfabriken in der Stadt, einst waren es 500. Die Verringerung der Sägewerke resultiert aus den strengen Gesetzesauflagen zur „kontrollierten“ Rodung. Allerdings weiß ich auch, dass der Gouverneur von Mato Grosso, Blairo Maggi, einer der größten Sojaproduzenten weltweit ist. Und wo Bäume stehen, lässt sich eben nur schwer Soja anbauen. Wie soll ich das also verstehen, wenn Politiker den größten Nutzen bei Rodung haben??
Natürlich weiß ich, dass es Gegensätze in jedem Land auf eine Art und Weise gibt. Diese aber auf einer so krassen und essenziellen Art zu erleben ist für mich eine neue Erfahrung die mich oft sehr nachdenklich stimmt… Benötigt es seinen Gegensatz um zu existieren? Gibt es Reichtum ohne Armut, Liebe ohne Hass, Fürsorge ohne Gleichgültigkeit und Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit ohne Lügen und Intrigen???

Mit diesen und vielen anderen Fragen sage ich: até à próxima

Eure Verena


Ps: bei all den derzeitigen negativ Schlagzeilen der katholischen Kirche kommt mir vor, als ob ganz in Vergessenheit gerät, dass so viele Menschen - angetrieben vom christlichen Glauben - gutes tun; wie auch Padre Thaller. Das Krankenhaus das auch zu ADESTEC gehört ist in Sinop mittlerweile der größte Arbeitgeber und die Caritas (unter seiner Leitung) ist Anlaufstelle der Bedürftigen in der Region. Hier bekommen die ärmsten der Armen Essenspakete und Unterstützung. Dank dieser Stelle ist seit einigen Jahren kein Fall von Hungertod mehr vorgekommen…




Das Orfanato aus der Luft. Links ist die Holzfabrik und ganz oben im Bild die große und einzige Straßenverbingung nach Sinop (rechts gehts Richtung Stadt, ca. 8 km)



Die Holzfabrik nebenan


Samstags, Sonntags und Feiertags ist im Orfanato Besuchszeit. Oft kommen nur wenige, aber vor Ostern ist ein ganzer Bus aus Sinop gekommen und die Leute haben Geschenke, Spiele und Musik mitgebracht...







Der Tag neigt sich zu Ende... die Kinder kommen von der Schule


...und heute als Nachtisch: Kokosnüsse aus dem Garten... :-)


Capoeira im Orfanato




Soão Carlos und ich bei einer Versammlung mit den Kindern des SMC-Projekts im Schulungszentrum
(zur Erklärung: vor Brasilien habe ich neben meinem Studium bei SMC (Siemens Management Consulting) gearbeitet. Als Weihnachtsspendenprojekt haben die Kollegen eine Patenschaft für ca. 70 Kinder übernommen und ermöglichen ihnen somit einen Informatik- oder Schreibmaschinenkurs. Mehr Infos in dem Artikel, den ich für die SMC Zeitung geschrieben habe.)




Artikel


ZU BESUCH BEI BEDÜRFTIGEN FAMILIEN AM STADTRAND SINOP








Das kleine Häuschen vorne links ist die Dusche




...hier der Brunnen...



...und nur ein paar Meter davon entfernt die Toilette


Padre Thaller und Soão Carlos

















EINDRÜCKE AUS DER STADT SINOP

Typisches Restaurant am Straßenrand


Seitenstraße


Kreisverkehr


...jetzt, wo die Regenzeit vorbei ist staubt es ziemlich...


Bauarbeiter vor dem Stadion in Sinop


Ein typisches Holzhaus in der Stadt, gegenüber von ADESTEC


Im Stadtzentrum, die Hauptstraße



Der Weg in die Stadt


...und mein Nachhauseweg...



Ein Klassenzimmer


AUSFLUG MIT DEN KINDERN IN DEN STADTPARK








VERANSTALTUNG AN EINER SCHULE AN DER MEINE FREUNDIN AUREA UNTERRICHTET

Verkauf von "Pastel" um eine Klimaanlage im Audiosaal zu finanzieren



Ich & Aurea


...incl. Kultur & Tanzprogramm

Noch eine kleine Geschichte zum Abschluss:
Wenn ein Flugzeug über das Orfanato fliegt schreien alle Kinder los: „Boahhh, ein Flugzeug, schaut, schaut!!“ Und die Älteren haben schon gesagt, sie wollen mich besuchen kommen, wenn sie groß sind. Als sie mich fragten, ob Deutschland auch mit dem Bus zu erreichen ist habe ich daraufhin eine Landkarte ausfindig gemacht und ihnen gezeigt, dass eine Busfahrt nach Deutschland aufgrund des vielen Wassers zwischen den beiden Ländern nicht möglich ist. Verena, meinten sie dann einstimmig, dann wird das mit dem Besuchen nichts! Mit einem Flugzeug oder einem Schiff reisen sie nicht! Das ist doch vieeel zu gefährlich… ;-))

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