Seit die Schule in der zweiten Februar Woche wieder begonnen hat (die großen Ferien sind hier von Dezember bis Februar) ist auch wieder Alltag im Kinderheim eingekehrt, mit Ausnahme natürlich der Karnevalferien, die in ganz Brasilien groß gefeiert wurden. Unter der Woche bedeutet dies für die Kinder einen wirklich gut strukturierten Tag mit Schule und anschließender Hausaufgabenbetreuung hier im Heim, Englischunterricht (von mir ;-)) und auch Zeit zum malen, spielen und toben.
Da nur wenige Tage nachdem ich hier angekommen bin eine Erzieherin gegangen ist, habe ich nun mehr oder weniger ihre Schicht übernommen bis Ersatz gefunden wird bzw. eine andere „Tia“ aus dem Mutterschutz zurückkommt. Wir sind hier immer zwei Erzieherinnen und eine Schicht ist 24 h dann wieder 24 h frei usw. (wobei ich in der Nacht schon schlafen kann, wichtig ist nur, dass jemand im Haus ist…). Ich bringe die Mädels ins Bett, wecke sie morgens um 6, bringe die Kids zur Schule nebenan oder zum Bus, hole sie wieder ab, nebenbei Chaosbeseitigung, die üblichen Hausarbeiten wie putzen und Wäsche, werfe ein Auge auf die Kleinen die noch nicht zur Schule gehen, wickle und bade sie und gebe - wie oben schon erwähnt - noch 4x in der Woche je 30 min Englischunterricht für die Älteren hier im Heim. Langweilig wird mir hier also nie da ich neben meiner Arbeit im Waisenhaus auch noch an Projekten im Schulungszentrum arbeite und 2x die Woche portugiesisch Unterricht habe…
Nach bald 2 Monaten fühle ich mich hier richtig angekommen, die Kinder und die Erzieherinnen sind hier meine kleine Familie und es geht mir sehr gut. Ich erfahre hier so viele neue Dinge z. B. die Freude die ich fühle, einen Bus zu erblicken, nachdem ich bei Gluthitze und schweißnass eine gefühlte Ewigkeit gewartet habe und dieser dann auch noch anhält und nicht, wie beim letzten mal, wegen Überfüllung an mir vorbeirauscht (apropos Busfahren, etwas stolz bin ich schon, mich in dem brasilianischen Bussystem zurecht zu finden, ohne genauen Haltestellen und Abfahrtszeiten ist das nämlich gar nicht so einfach, meine erste eigene Busfahrt war dementsprechend ein Abendteuer und hat etwas länger gedauert als geplant… ;-)) oder wie mittags das Leben fast zum Stillstand kommt und wenn keine Hängematte oder kein Bett in Sichtweite ist der Restaurantbesitzer seinen Billardtisch als Schlafplatz benutzt oder die Begegnung mit Indios die hier ganz in der Nähe vom Orfanato (so heißt das Wasisenhaus hier auf brasilianisch) in einem Reservat leben, immer in einer großen Gruppe mit vielen Kindern unterwegs sind (ein Mann muss immer dabei sein) und die so bildschön anzusehen sind und irgendwie wirken als kommen sie von einer vergangenen Zeit… oder was es bedeutet in einem Land zu leben in dem man sich so organisieren sollte, dass man bei Anbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine anzutreffen ist oder dass es möglich ist, Reis und Bohnen 7 Tage die Woche zu essen oder dass Radfahren hier unter den Top 5 der gefährlichsten Sportarten fällt, da hier nicht nur die Autofahrer sondern auch die Truckerfahrer keine Geschwindigkeitsbegrenzungen kennen (Fußgänger sollten übrigens auch beim überqueren der Straße die Geschwindigkeit der Fahrzeuge nicht unterschätzen und Radwege gibt es hier sowieso keine, wozu auch, die Straße ist schließlich breit genug für ALLE…) oder wie es ist, wenn eine kleine Mücke großes Ansehen genießt, da in der Region das Denguefieber weit verbreitet ist (Dengue ist eine Infektionskrankheit, die von bestimmten Stechmücken übertragen wird und vor allem für Kinder tödlich verlaufen kann, hier in der Region sprechen die Nachrichten sogar von der Dengue-Epidemie...) oder wie es ist die Nächte ohne Elektrizität zu verbringen (weil heftiges Gewitter) oder was es wirklich bedeutet, wenn „Regenzeit“ gemeint ist nämlich dass Straßen zu kleinen Bächlein werden und das Wasser knöcheltief an einem vorbeifließt und das Wasser auch von der Decke tropft oder an den Wänden entlang läuft oder wie schmackhaft und lecker bekannte und unbekannte frische Früchte hier schmecken oder wie ich von fast fremden Menschen hier wie ein Familienmitglied aufgenommen werde oder dass hier Englischlehrer gar nicht Englisch sprechen (ein Hoch auf unser Schul- und Bildungssystem!)… und so könnte ich diese Liste noch um eine Vielzahl anderer schöner und weniger schöner Erfahrungen erweitern…
Aber jetzt erstmal genug! Ganz bald - vielleicht amanhã - werde ich wieder berichten… ;-)
Bis dahin sende ich euch tropische Wärme & einen herzlichen brasilianischen Gruß aus „o pulmão do mundo“ (der Lunge der Erde)
Eure Verena
„meine“ Kids
ich mit unserem Jüngsten, dem 7 Monat alten Eduardo

der kleine Eric erklärt mir sein Welt

Heute: Zeichnen mit den Professoren Luciano und Arnaldo…

…und die aufmerksamen Schüler verfolgen den Unterricht! ;-)

Luciana und ich beim Volleyball spielen
…innovative Trommel, Hauptsache es macht Spaß und Krach…
die Kids bei unserem kleinen „lunchino“ am Nachmittag

wenn es regnet, regnet es meist heftig

ein kleiner Teil unseres Gartens im Orfanato (wir haben hier übrigens u. a. Mangobäume, Cashewnussbäume, Kokosnusspalmen und viele andere Bäume und Sträucher mit Früchten, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, weil sie so exotisch klingen…)
die Schule von vorne...
















Hallo Verena,
AntwortenLöschenschön zu sehen, dass es Dir gut geht. Was ich Dir unbedingt noch sagen möchte ist, dass Du mal abgesehen von den tollen Bildern, die Du uns zeigst, Deine Erlebnisse so ergreifend schilderst, dass ich jedes Mal hin und weg bin.
Danke für diese tollen Berichte :)
Auch bei uns geht es bald los, Karin & ich starten am 04 Juni nach Ägypten, nachdem Indien nach wie vor so problematisch ist. Auch wir haben einen Blog, falls Du mal vorbei schauen möchtest: http://www.ktfahn.bplaced.net/
Drücken Dich beide ganz lieb, wünschen Dir weiter alles Liebe
Karin & Tom