Meine ersten 12 Tage hier in Sinop sind nun schon vergangen und ich kann nicht glauben, wie schnell diese verflogen sind.
Nach einer langen und anstrengenden Reise haben mich Padre Thaller und Soão Carlos herzlich am kleinen Flughafen in der Stadt im Amazonasregenwaldgebiet Sinop begrüßt. Da es schon spät abends war, verbrachte ich die erste Nacht im Haus vom Padre. Am nächsten Morgen brachte er mich dann ins Waisenhaus „Menino Jesus“ welches mein neues zu Hause für die nächsten 6 Monate hier in Brasilien ist. Mit einem „Verena seja bem vinda“ „Verena – sei herzlich Willkommen“ wurde ich auch hier sehr lieb begrüßt! Das Kinderheim ist eher wie ein kleines "Dorf" mit insgesamt 5 einstöckigen Häusern, Mädels und Jungs getrennt. Mein Zimmer ist – natürlich – bei den Mädels. Die Kinder sind alle super lieb und da Brasilianer nicht so sehr Privatsphäre brauchen wie wir Deutsche und viel mehr Körperkontakt suchen wie wir (an dieser Stelle an meine lieben „werkstatt weltweit“ Kollegen: wie war das noch mal im letzten Seminar mit „typisch deutsch“… ;-)) hängen immer viele Kids an mir, kuscheln und ich werde jedes Mal herzlich am Morgen begrüßt und am Abend verabschiedet, bekomme Bilder geschenkt, und höre ständig ein „oi tia“ wobei „tia“ wie „tschia“ ausgesprochen wird und soviel heißt wie, „Hey, schau/hör mal, Tante“ (alle Betreuerinnen sind hier Tias, klingt im Deutschen viel härter als es hier gemeint ist...) und sie geben sich alle Mühe, mich mit meinem doch noch sehr holprigen portugiesisch zu verstehen. Der liebevolle Umgang macht es mir allerdings auch leicht, mich „ohne Worte“ zu verständigen. Die Kinder sind außerdem wahnsinnig interessiert und begeisterungsfähig und so hab ich gleich mal am Sonntag meine erste spontane Deutschstunde gehalten, wo alle die schreiben konnten gleich ein Heftchen herbeigezogen haben und fleißig mitgeschrieben haben. Kurz um, die Kinder sind super lieb und sind mir schon jetzt ans Herz gewachsen, deshalb war es auch traurig als am Donnerstag 3 kleine Mädels (Schwestern) das Heim hier verlassen haben!
Leider konnte ich die erste Woche nicht sehr viel Zeit mit den Kindern verbringen, da ich sehr viel im Schulungzentrum an einem Übersetzungsprojekt gearbeitet habe. Das Zentrum, was auch zu Adestec gehört liegt in der Stadtmitte, ich wohne ca. 8 km außerhalb.
Letztes Wochenende war ich gleich auf einer Geburtstagsfeier und zum Essen bei Soão Carlos und seiner Familie eingeladen. Natürlich gab es Musik, es wurde getanzt und es gab Caipirinha... :-)
Nach einer langen und anstrengenden Reise haben mich Padre Thaller und Soão Carlos herzlich am kleinen Flughafen in der Stadt im Amazonasregenwaldgebiet Sinop begrüßt. Da es schon spät abends war, verbrachte ich die erste Nacht im Haus vom Padre. Am nächsten Morgen brachte er mich dann ins Waisenhaus „Menino Jesus“ welches mein neues zu Hause für die nächsten 6 Monate hier in Brasilien ist. Mit einem „Verena seja bem vinda“ „Verena – sei herzlich Willkommen“ wurde ich auch hier sehr lieb begrüßt! Das Kinderheim ist eher wie ein kleines "Dorf" mit insgesamt 5 einstöckigen Häusern, Mädels und Jungs getrennt. Mein Zimmer ist – natürlich – bei den Mädels. Die Kinder sind alle super lieb und da Brasilianer nicht so sehr Privatsphäre brauchen wie wir Deutsche und viel mehr Körperkontakt suchen wie wir (an dieser Stelle an meine lieben „werkstatt weltweit“ Kollegen: wie war das noch mal im letzten Seminar mit „typisch deutsch“… ;-)) hängen immer viele Kids an mir, kuscheln und ich werde jedes Mal herzlich am Morgen begrüßt und am Abend verabschiedet, bekomme Bilder geschenkt, und höre ständig ein „oi tia“ wobei „tia“ wie „tschia“ ausgesprochen wird und soviel heißt wie, „Hey, schau/hör mal, Tante“ (alle Betreuerinnen sind hier Tias, klingt im Deutschen viel härter als es hier gemeint ist...) und sie geben sich alle Mühe, mich mit meinem doch noch sehr holprigen portugiesisch zu verstehen. Der liebevolle Umgang macht es mir allerdings auch leicht, mich „ohne Worte“ zu verständigen. Die Kinder sind außerdem wahnsinnig interessiert und begeisterungsfähig und so hab ich gleich mal am Sonntag meine erste spontane Deutschstunde gehalten, wo alle die schreiben konnten gleich ein Heftchen herbeigezogen haben und fleißig mitgeschrieben haben. Kurz um, die Kinder sind super lieb und sind mir schon jetzt ans Herz gewachsen, deshalb war es auch traurig als am Donnerstag 3 kleine Mädels (Schwestern) das Heim hier verlassen haben!
Leider konnte ich die erste Woche nicht sehr viel Zeit mit den Kindern verbringen, da ich sehr viel im Schulungzentrum an einem Übersetzungsprojekt gearbeitet habe. Das Zentrum, was auch zu Adestec gehört liegt in der Stadtmitte, ich wohne ca. 8 km außerhalb.
Letztes Wochenende war ich gleich auf einer Geburtstagsfeier und zum Essen bei Soão Carlos und seiner Familie eingeladen. Natürlich gab es Musik, es wurde getanzt und es gab Caipirinha... :-)
Eine witzige Geschichte gibt es auch noch zu erzählen: am Sonntag in der Kirche (die man sich übrigens nicht so wie eine deutsche vorstellen kann, vieeeeeelll schlichter und es wird geklatscht und viel gesungen…) habe ich mitbekommen, dass der Padre (der die Messe gehalten hat) von mir spricht, einem Mädchen aus Deutschland, das hier für 6 Monate einen Freiwilligendienst macht… und plötzlich: „Verena, komm doch nach vorne…“ nach dem er mir dann auch noch das Mikrofon in die Hand drückte, mit den Worten, ich spreche auch schon ein bisschen portugiesisch und ich soll doch mal was sagen, konnte ich nur ein unverständliches „Hallo, ich freu mich sehr hier zu sein“ stammeln. Zu meiner Erleichterung haben die 400 Leute in der Kirche dann gleich laut geklatscht!!! … ejejjej. Beim Padre muss man wirklich auf alles gefasst sein! Ein wirklich netter Mensch, ich muss viel lachen mit ihm! Als nach dem Gottesdienst auch noch zwei Frauen zu mir gekommen sind, mich umarmt haben und mich noch mal herzlich Willkommen hießen fand ich das einfach nur schön!
Natürlich ist nicht alles hier Sonne, Sonnenschein (abgesehen davon, dass gerade Regenzeit ist und es jeden Tag meist heftige kurze Schauer gibt). Zusammen mit dem Padre bin ich am Sonntag noch durch die Bezirke etwas außerhalb der Stadt gefahren, wo ca. 80.000 der rund 120.000 Einwohner von Sinop leben. Die Straßen sind dort nicht geteert und der rote Lehmboden ist voller tiefer Löcher, da das viele Wasser die „Straßen“ ausspült. Die kleinen teilweise sehr stark heruntergekommen und improvisierten Häuser erinnern eher an Hütten… dabei soll das noch nicht einmal das „schlimmste“ Viertel sein, dies sei eher „die untere Mittelschicht“ so der Padre. Die Mehrzahl der Kinder im Heim kommen auch aus dieser Gegend meist sind es misshandelte und vernachlässigte Kinder…
Wie auch in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern ist hier die Schere von Reich und Arm besonders groß. Einige weinige verdienen sich hier goldene Nasen durch z. B. Sojaanbau, leben in saus und braus und scheuen auch nicht, damit zu protzen. Im Gegenteil, hier zeigt jeder was er hat, und fehlt das nötige Kleingeld, werden eben Schulden gemacht. Die Kriminalität hier ist auch nicht zu unterschätzen. Eine kleine Anekdote dazu: während meiner Reise und einem Zwischenstopp in Campo Grande ist ein Mann mit – so dachte ich – Leibwächter zugestiegen und ich war mir sicher, es muss sich wohl um einen prominenten Brasilianer handeln, den ich natürlich nicht kannte. Der rote Teppich, ein Kamerateam und das große Aufgebot von Polizei - alle mit großen Gewehren in der Hand - am Flughafen in Cuiaba haben mich in meiner Vermutung noch bestärkt. Als ich dann aber später im Fernseher sah, dass es sich nicht um einen Promi sondern schlicht weg um einen Mörder handelte der gerade gefasst wurde (auch ohne viel verstanden zu haben, sprachen die detaillierten Bilder des Tatortes für sich…) wurde mir schlagartig klar, dass ich nun wirklich in einem anderen Land angekommen bin! (Der rote Teppich liegt wohl immer da…;))
So, genug fürs erste! Viele liebe Grüße aus dem warmen Regenwald!
Um abraço
Eure Verena
ps: vielen lieben Dank für alle Emails die ich bis jetzt erhalten habe! Ich freue mich immer sehr von euch zu hören bzw. zu lesen!
Natürlich ist nicht alles hier Sonne, Sonnenschein (abgesehen davon, dass gerade Regenzeit ist und es jeden Tag meist heftige kurze Schauer gibt). Zusammen mit dem Padre bin ich am Sonntag noch durch die Bezirke etwas außerhalb der Stadt gefahren, wo ca. 80.000 der rund 120.000 Einwohner von Sinop leben. Die Straßen sind dort nicht geteert und der rote Lehmboden ist voller tiefer Löcher, da das viele Wasser die „Straßen“ ausspült. Die kleinen teilweise sehr stark heruntergekommen und improvisierten Häuser erinnern eher an Hütten… dabei soll das noch nicht einmal das „schlimmste“ Viertel sein, dies sei eher „die untere Mittelschicht“ so der Padre. Die Mehrzahl der Kinder im Heim kommen auch aus dieser Gegend meist sind es misshandelte und vernachlässigte Kinder…
Wie auch in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern ist hier die Schere von Reich und Arm besonders groß. Einige weinige verdienen sich hier goldene Nasen durch z. B. Sojaanbau, leben in saus und braus und scheuen auch nicht, damit zu protzen. Im Gegenteil, hier zeigt jeder was er hat, und fehlt das nötige Kleingeld, werden eben Schulden gemacht. Die Kriminalität hier ist auch nicht zu unterschätzen. Eine kleine Anekdote dazu: während meiner Reise und einem Zwischenstopp in Campo Grande ist ein Mann mit – so dachte ich – Leibwächter zugestiegen und ich war mir sicher, es muss sich wohl um einen prominenten Brasilianer handeln, den ich natürlich nicht kannte. Der rote Teppich, ein Kamerateam und das große Aufgebot von Polizei - alle mit großen Gewehren in der Hand - am Flughafen in Cuiaba haben mich in meiner Vermutung noch bestärkt. Als ich dann aber später im Fernseher sah, dass es sich nicht um einen Promi sondern schlicht weg um einen Mörder handelte der gerade gefasst wurde (auch ohne viel verstanden zu haben, sprachen die detaillierten Bilder des Tatortes für sich…) wurde mir schlagartig klar, dass ich nun wirklich in einem anderen Land angekommen bin! (Der rote Teppich liegt wohl immer da…;))
So, genug fürs erste! Viele liebe Grüße aus dem warmen Regenwald!
Um abraço
Eure Verena
ps: vielen lieben Dank für alle Emails die ich bis jetzt erhalten habe! Ich freue mich immer sehr von euch zu hören bzw. zu lesen!
Mein Zimmer

Blick aus meinem Zimmer, das "Jungen-Haus" (das Mädels-Haus indem ich wohne sieht übrigens identisch aus...)
Einfahrt ins Kinderheim

So siehts drinnen aus, vor uns das Koch - und Speisehaus, links ein Haus, das noch renoviert werden muss...
Soão Carlos und ich vor dem Schulungszentrum
Uma festa...
...auf dem Weg zurück vom Schulungszentrum zum Kinderheim
Im Stadtpark von Sinop, original Regenwald... und..













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